Vortrag: "Warte, warst du jetzt im Krankenhaus?!"

eine transmediale korpusbasierte Untersuchung der interaktionsorganisierenden Diskurspartikel warte

Aus Imperativen entstandene Diskurspartikeln sind bisher vorwiegend in medial mündlicher Interaktion untersucht worden. Die Arbeiten zu komm (vgl. Proske 2014) und guck mal (vgl. Günthner 2017) sind zwei Beispiele für die Untersuchung dieser besonderen Gruppe der Diskurspartikeln. Diskurspartikeln werden aber auch in unserer medial vermittelten Kommunikation genutzt, z. B. in der Messenger-Interaktion.
Im Vortrag wird das Form- und Funktionsspektrum der Diskurspartikel warte im transmedialen Vergleich vorgestellt. Anhand von authentischen Beispielen wird gezeigt, dass sich die Verwendung der Partikel hinsichtlich ihres Auftretens im sequenziellen Kontext sowie ihrer Funktion zwischen medial mündlicher und medial schriftlicher Interaktion unterscheidet.

Diskurspartikeln waren bisher vorwiegend Untersuchungsgegenstand der Gesprochene-Sprache-Forschung und der Gesprächsanalyse (vgl. Proske 2014: 122), gelten sie doch als Charakteristika der konzeptionellen Mündlichkeit. Konzeptionell mündliche Elemente finden sich jedoch auch in interaktionaler computervermittelter Sprache. Insbesondere Diskurspartikeln, die aus Imperativen entstanden sind, wurden noch nicht umfassend in medial schriftlicher Inter-aktion untersucht.
Die Diskurspartikel warte ist in der Chat-Interaktion von besonderem Interesse, da zwischen den Interagierenden eine räumliche Trennung besteht, die eine wörtliche Interpretation des Gesagten ausschließt (vgl. dazu Günthner 2017: 17). Wenn Person A Person B in einer Textnach-richt mitteilt, dass sie warten soll, ist (nicht immer) gemeint, dass Person B ihre aktuelle Tätigkeit unterbrechen oder keine Antwort verfassen soll, bis Person A sich erneut gemeldet hat. Ähnlich wie in Face-to-Face-Interaktion erfüllt die Diskurspartikel noch weitere Diskursfunktionen, wie das Anzeigen eines Missverständnisses. In welchen Kontexten die Diskurspartikel auftaucht und welche Funktion sie einnehmen kann, unterscheidet sich jedoch zwischen medial mündlicher und medial schriftlicher Interaktion und dieser transmediale Unterschied ist noch nicht untersucht worden.
Diesem Forschungsdesiderat soll der Beitrag nachkommen und das Form- und Funktionsspektrum der Diskurspartikel warte in schriftlicher und mündlicher Kommunikation beleuchten. Der Vortrag basiert auf einer Untersuchung darüber, in welchen sequenziellen Kontexten und mit welchen Funktionen die Diskurspartikel warte in der Chat-Interaktion verwendet wird und ob sich diese Kontexte und Funktionen von denen in der Face-to-Face-Interaktion unterscheiden.
Zunächst wird der gegenwärtige Forschungsstand zur Diskurspartikeln warte im Deutschen skizziert. Anschließend werden das Korpus der Untersuchung vorgestellt und zentrale Analyseergebnisse genannt, wobei funktionale Merkmale der Partikel im Fokus stehen. Dabei werden die Ergebnisse anhand von Belegen aus der linguistischen Audio-Datenbank (lAuDa) des Centrums für Sprache und Interaktion in Münster sowie einem privaten Korpus aus WhatsApp-Nachrichten veranschaulicht.

Literaturhinweise:
Günthner, Susanne (2017): Diskursmarker in der Interaktion – Formen und Funktionen univerbierter guck mal- und weißt du-Konstruktionen. In: Hardarik Blühdorn, Arnulf Deppermann, Henrike Helmer und Thomas Spranz-Fogasy (Hg.): Diskursmarker im Deutschen. Reflexionen und Analysen. Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, S. 103–130.
Proske, Nadine (2014): °h ach KOMM; hör AUF mit dem klEInkram. Die Partikel komm zwischen Interjektion und Diskursmarker. In: Gesprächsforschung. Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 15, S. 121–160.

Info

Tag: 26.05.2022
Anfangszeit: 15:30
Dauer: 00:30
Raum: Eisenga (2.32)
Track: Applied Linguistics
Sprache: de

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