Version 22-03-8

Vortrag: Die Entwicklung der Pluralmarkierung vormals unmarkierter Flexionsklassen seit dem Mittelhochdeutschen in den deutschen Dialekten auf Grundlage von Daten der historischen Referenzkorpora

Die Entwicklung der Pluralmarkierung vormals unmarkierter Flexionsklassen seit dem Mittelhochdeutschen in den deutschen Dialekten auf Grundlage von Daten der historischen Referenzkorpora
Im Flexionssystem der mittelhochdeutschen Substantive fehlt bei einigen Flexionsklassen eine formale Unterscheidung zwischen der Singular- und der Pluralform. Es kommt zu einer Reihe von Prozessen, die zu einer Umstrukturierung des deutschen Flexionsklassensystems und damit zur Verbesserung der Pluralmarkierung führen. Diese Prozesse werden unter der Bezeichnung „Numerusprofilierung“ zusammengefasst, die auf Hotzenköcherle (1962) zurückgeht und bei Dammel/Gillmann (2014) weiter in direkte und indirekte Formen untergliedert wird. Einen Überblick über die Umstrukturierung des nominalen Flexionsklassensystems findet sich bei unter anderem bei Nübling (2008), Wegera/Solms (2000) sowie Wegera (1987).
Im Rahmen des Dissertationsprojekts soll in einer dialektal-diachronen Studie auf Grundlage von Daten der historischen Referenzkorpora die Entwicklung der vormals unmarkierten Flexionsklassen dahingehend untersucht werden, ab wann in welchen deutschen Varietäten erstmals Pluralallomorphe auftreten sowie welche Markierungsverfahren sich letztlich durchgesetzt haben. Ziel des Projekts ist es einen Überblick über den zeitlichen und dialektalen Ablauf verschiedener Prozesse zur Verbesserung der Numerusmarkierung zu erhalten.
Der Vortrag wird zwei Themenschwerpunkte umfassen:
1) Chancen und (vor allem) Probleme der Arbeit mit den historischen Referenzkorpora
2) Schwierigkeiten der Auswertung großer Datenmengen (mit R)
Während sich der erste Teil des Vortrags dicht am Untersuchungsgegenstand bewegt und hier vor allem bisherige Erfahrungen im Umgang mit dem Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (REM) und dem Referenzkorpus Frühneuhochdeutsch (REF) thematisiert werden, geht es im zweiten Teil um potentielle Schwierigkeiten im Umgang mit großen Datensätzen. Neben Ideen und (inzwischen teilweise) gelösten Problemen der Sortierung, Speicherung und Auswertung möchte ich hier auf verschiedene Möglichkeiten der (explorativen) Datenvisualisierung eingehen. Da ich mit R arbeite, werden sich Beispiele und ähnliches sicher auch auf das Statistikprogramm beziehen. Manches sollte sich dennoch auf quantitative Untersuchungen im Allgemeinen übertragen lassen. Ausgangspunkt und Nachschlagewerk meiner bisherigen Arbeit war bislang insbesondere „Deutsche Sprachgeschichte“ (2018) von Hartmann, so dass ich mich im Vortrag sicher auch auf Lösungsansätze hieraus beziehen werde.

Literaturverzeichnis
Dammel, Antje; Gillmann, Melitta (2014): Relevanzgesteuerter Umbau der Substantivflexion im Deutschen. Spiegelt Diachronie Typologie? In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 136 (2), S. 173-229.
Hartmann, Stefan (2018): Deutsche Sprachgeschichte. Grundzüge und Methoden. Tübingen: Francke Verlag.
Hotzenköcherle, Rudolf (1962): Entwicklungsgeschichtliche Grundzüge des Neuhochdeutschen. In: Wirkendes Wort. Bd. 12, S. 321-331.
Nübling, Damaris (2008): Was tun mit Flexionsklassen? Deklinationsklassen und ihr Wandel im Deutschen und seinen Dialekten. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Bd. 75. Stuttgart: Steiner, S. 282-330.
Wegera, Klaus-Peter (1987): Flexion der Substantive. Grammatik des Frühneuhochdeutschen. Beiträge zur Laut- und Formlehre. Heidelberg: Winter.
Wegera, Klaus-Peter; Solms, Hans-Joachim (2000): Morphologie des Frühneuhochdeutschen. In: Werner Besch (Hrsg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2. Auflage. 1. Band. Berlin, New York: De Gruyter, S. 1542-1554.

Info

Tag: 25.03.2022
Anfangszeit: 13:50
Dauer: 00:30
Raum: Dowschenko
Track: Morphologie-Syntax
Sprache: de

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