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Vortrag: Von "Jerry, lass das!" zu "JEREMY PASCAL MEIER!!!": Sprachliche Stufen der Schelte

Interaktionale Onomastik in der elterlichen Erziehungsrhetorik

Wenn wir damals von unseren Eltern mit unserem vollen amtlichen Namen gerufen wurden, wussten wir in der Regel, dass es Zeit war, sich sicherheitshalber vorsorglich selbst zur Adoption freizugeben oder fluchtartig das Land zu verlassen. Dieser Vortrag untersucht genau diese Namensvariation an der Schnittstelle von Phonetik (insbesondere im Hinblick auf Kakophonie), Pragmatik, (interaktionaler) Onomastik, Diskurslinguistik und Diachronie, um diese verbalen Sanktionen zu systematisieren und zu erklären. Zudem wird der Frage nachgegangen, ob sich in anderen Ländern wie Litauen oder Russland vergleichbare Tendenzen feststellen lassen.

Wer in seiner Kindheit von den Eltern beim vollen amtlichen Namen gerufen wurde, wusste: Jetzt ist Schluss mit lustig, es wird ernst. Diese triviale Alltagserfahrung bildet den Ausgangspunkt des Vortrags, der sich der Frage widmet, ob sich diese sozialdeiktischen Vokative systematisieren lassen. Aufbauend auf Ansätzen der Interaktionalen Onomastik wird untersucht, inwiefern Personennamen im erzieherischen Kontext nicht nur referenzielle, sondern auch sozial-pragmatische Funktionen erfüllen und wie sich diese Funktionen klassifizieren lassen; insbesondere als Mittel zur Disziplinierung, Aufmerksamkeitserzeugung oder Distanzmarkierung.

Die empirische Grundlage bildet ein explorativer Fragebogen, der sowohl Eltern als auch erwachsene Kinder retrospektiv zu typischen Anredeformen in verschiedenen (teils bewusst zugespitzten) Erziehungssituationen befragt. Trotz methodischer Einschränkungen, darunter geringe Stichprobengröße, hohe Abbruchquoten (vermutlich ausgelöst durch die Forderung nach Klarnamen) sowie die Unschärfe erinnerungsbasierter Selbstauskünfte, liefert die Erhebung aufschlussreiche Einblicke in wiederkehrende Muster der Namensvariation und motiviert methodenkritische Impulse, die im Vortrag ebenfalls diskutiert werden.

Zudem wird diskurslinguistisch die Frage aufgeworfen, warum wir auf dieses Anredeinventar zurückgreifen. Aus phonetischer Perspektive wird zudem die Frage geklärt, ob disziplinierende Vokative präferiert werden, die kakophonische Eigenschaften aufweisen. Zudem erfolgt ein diachronisches Schlaglicht in Form der Entwicklung von appellativen zu expressiven Vokativen.

Info

Tag: 14.05.2026
Anfangszeit: 12:15
Dauer: 00:30
Raum: HDH Raum 2 OG
Track: Language acquisition
Sprache: de

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