Version 1.0

Vortrag: Analogie und natürliche Variation in bilingualen Grammatiken

Deutsch-spanische Sprachmischung unter Sprecher*innen unterschiedlicher sozialer Räume

Ein Ergebnis der Untersuchung deutsch-spanischer Sprachmischung von González-Vilbazo & López (2011) war, dass spanische Verben ins Deutsche mit einem Verbalisierer -ieren integriert werden können, während dies andersherum nicht möglich ist. Laut den Autoren ist eine Funktionsverbstrategie mit hacer („tun“) dafür erforderlich. Dieses Ergebnis ist bekannt und weitverbreitet diskutiert worden (z.B. Alexiadou 2017; Alexiadou & Lohndal 2018; Fábregas & Rothman 2021). Allerdings zeigt meine Studie durch neue Interviews mit deutsch-spanischen Sprachmischer*innen, dass verschiedene Strategien verwendet werden können, um deutsche Verbalwurzeln ins Spanische zu entlehnen. Unter anderem benutzen manche Sprecher*innen das deutsche Verb mit einem Verbalisierer -ear in ihrem täglichen Sprachverbrauch, entgegen den Ergebnissen von González-Vilbazo & López (2011). Die spezifischen Eigenschaften der Sprachmischung in González-Vilbazo & López (2011) werden in meiner Studie, anders als in den bisher genannten Artikeln, nicht durch syntaktische Prinzipien oder inhärente Merkmale des Spanischen oder des Deutschen erklärt. Stattdessen entstammen sie aus der Tatsache, dass ihre Forschungssubjekte alle Schüler*innen derselben Schule (die Deutsche Schule Barcelonas) waren, die eine eigene Sprachmischungsvarietät entwickelt hatten. Meine Studie deutet darauf hin, dass Sprachmischer*innen gemischte Äußerungen durch Analogie mit Äußerungen in der monolingualen Grammatik produzieren. Deswegen stehen ihnen mehrere Strukturen zur Verfügung, die dann im sozialen Raum ausgewählt werden können.

Info

Tag: 14.05.2026
Anfangszeit: 12:15
Dauer: 00:30
Raum: HDH Raum 1 OG
Track: Morphology
Sprache: de

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