Version 1.0

Vortrag: „Dann muss man auch mal verstehen, worum es dabei eigentlich geht“: zur (strategischen) Rolle von Eigentlichkeit in der politischen Kommunikation

Der Vortrag untersucht, wie das Infragestellen von Eigentlichkeit – also die Frage, ob etwas eigentlich, tatsächlich oder wirklich so ist, wie es dargestellt wird  – in der politischen Kommunikation als parteiübergreifende Strategie genutzt wird. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass politische Akteurinnen und Akteure sich selbst als authentische, ,eigentlich‘ sprechende Personen inszenieren (vgl. Gardt 2018), während sie der Gegenseite uneigentliches bzw. sogar bewusst ,verschleierndes‘ Sprechen vorwerfen.
Untersucht wurden dazu Zufallsstichproben der Marker eigentlich, tatsächlich und wirklich im Korpus "Plenarprotokolle des Deutschen Bundestags (1949–2023)". Die Analyse zeigt, dass Eigentlichkeit in der politischen Kommunikation zwei zentrale kommunikative Funktionen erfüllt: Sie dient einerseits der rhetorischen Legitimation eigener Wahrheits- und Faktizitätsansprüche, andererseits der diskursiven Delegitimierung der politischen Gegenseite.
Damit wird Eigentlichkeit als wiederkehrendes, strategisch nutzbares Muster sichtbar, welches insbesondere in Wahlkampfkontexten gezielt eingesetzt werden kann.

Literatur:
Gardt, Andreas (2018): Eigentlichkeit. Eine Universalie der Sprachreflexion. In: Wengeler, Martin/Ziem, Alexander (Hrsg.): Diskurs, Wissen, Sprache: Linguistische Annäherungen an kultur-
wissenschaftliche Fragen (= Sprache und Wissen 29). Berlin/Boston: De Gruyter, 89–113.

Korpus nach Registrierung verfügbar unter:
URL: https://www.discourselab.de/cqpweb/pp_2023_1/ [zuletzt aufgerufen am 08.04.2026].

Info

Tag: 15.05.2026
Anfangszeit: 11:50
Dauer: 00:30
Raum: DOR 24 1.401
Track: Pragmatics
Sprache: de

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